16-jähriger Filmemacher öffnet uns die Augen für Alltagsrassismus

Julia Sauer

Sep 30, 2019

Der junge Filmemacher Samu Gabor ist erst 16 Jahre alt. Gerade hat er den Kurzfilm „True Colors of Society“ gedreht. Wir haben uns mit ihm getroffen und über seine Ambition, Rassismus, Social Diversity und das Filmemachen gesprochen.

Der junge Filmemacher Samu Gabor ist erst 16 Jahre alt. Gerade hat er den Kurzfilm „True Colors of Society“ gedreht. Wir haben uns mit ihm getroffen und über seine Ambition, Rassismus, Social Diversity und das Filmemachen gesprochen.
Von Julia Sauer, 23 Jahre

Samu, um was geht es in deinem neuen Film?
Um Social Diversity. Es geht um einen dunkelhäutigen Mann, der magische Kartentricks auf der Straße aufführt. Zunächst ist keiner an der Show interessiert – wegen seiner Hautfarbe. So hat er die Idee, weißes Make-up auf seinem kompletten Gesicht aufzutragen. Daraufhin bleiben viele Leute stehen, obwohl er die gleiche Show macht. Er fühlt sich allerdings nicht gut mit der Täuschung und wischt das Make-up weg. Sofort nimmt das Interesse an seiner Show wieder ab.

Was für Ziele verfolgst du mit deinen Filmen?
Die grundlegende Idee ist einem Thema Raum zu geben, das in unserer Welt sehr wichtig ist. In Ungarn, wo ich herkomme, ist Rassismus ein sehr großes Problem. Jeder kann dort darüber berichten. Für einen schwarzen Mann ist es dort sehr schwer ein friedliches Leben zu führen.

Also sind deine Filme auch ein stückweit soziales Engagement?
Ja, total! Der Film ist ein Icon, er ist nicht sehr realistisch. Was ich zeigen möchte ist, wie leicht Leute „brainwashed“ werden können.


Der Film trägt den Namen „True Colors of Society“. Welche Gesellschaft meinst du denn genau?
Ich meine keine spezielle Gesellschaft, weder eine spezifische Zeit noch einen spezifischen Ort. Rassismus und Social Diversity waren aktuelle Themen vor 50 Jahren, sind es heute und in 50 Jahren werden sie es auch noch sein. Deswegen habe ich auch an Zaubertricks gedacht. Sie sind zeitungebunden.

Und mit welcher Farbe würdest du unsere Gesellschaft in Berlin beschreiben?
Ganz klar – bunt! In Berlin gibt es viele Hautfarben, unterschiedlichste Herkünfte, Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. Es gibt ganz viele Leute, die etwas anders machen. Berlin ist wirklich eine vielfältige Stadt und dafür liebe ich sie! Das sieht man auch gut in meinem Team. Es besteht aus Leuten aus China, Brasilien, Syrien, Ungarn und Deutschland.


Was hältst du von der Entwicklung hin zu einem digitalen Filmmarkt?
Dank Amazon Prime und Co. kann jeder einen Film verbreiten – auch ohne ein großes Hollywoodstudio. Früher musste man ein hohes Risiko eingehen und viel Geld investieren, damit ein Film veröffentlicht wurde. Heute kann ein Film auf YouTube in ein paar Tagen Millionen von Menschen erreichen! Das ist super cool und ganz anders als früher. Ich gehe allerdings auch sehr gerne ins Kino. Im letzten Sommer war ich oft dort, weil es da schön kalt ist und wir zuhause keine Klimaanlage hatten. Manchmal war ich in drei Filmen an einem Tag. Zurzeit gehe ich etwa einmal die Woche ins Kino.

Kannst du mir ein paar Informationen zum Filmemachen allgemein geben? In welche Phasen wird denn zum Beispiel die Filmproduktion eingeteilt?
Klar! Es gibt die Vorproduktion, Dreharbeiten, Postproduktion und die Filmverwertung. Die Vorproduktion ist immer der längste Zeitraum, bei uns hat das drei Monate gedauert. Diese drei Monate habe ich gemeinsam mit meinem Produzenten und gleichzeitig gutem Freund am Projekt gearbeitet. Dann haben wir an einem Wochenende gedreht und danach circa drei Wochen für die Postproduktion gebraucht. Bei der Filmverwertung geht es vor allem darum, Aufmerksamkeit auf den Film zu lenken.

Was davon war am spannendsten?
Richtig cool waren der Dreh und die Vorproduktion. Besonders die Gespräche mit unserem Hauptdarsteller über den Filmcharakter und wie er sich mit ihm verbinden kann waren sehr spannend. Wir haben uns super mit unseren Ideen ergänzt!